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19.11.2015

Kolumne zum Thema: "Soziale Medien im Bereich der Feuerwehr"

Eben noch die Facebookseite des Feuerwehrmagazins „geliked“, den Tweet von Drehleiter.info retweeted und auf Instagram noch schnell ein Einsatzbild der Freiwilligen Feuerwehr Kosthausen kommentiert. So in etwa sieht der Alltag des ein oder anderen Feuerwehrkameraden/- innen aus, der den „Neuen Medien“ aufgeschlossen gegenübersteht.

Die Neuen Medien, Facebook, Twitter, Instagram und Co. begegnen uns jeden Tag, egal wohin wir schauen. In der Werbung, dem Fernsehen, auf der Fanpage des Landesfeuerwehrverbandes, ja selbst im Katastrophenschutz. Überall dienen sie als Informations- und Austauschmedium der heutigen Zeit. Wir rekrutieren in der Katastrophe Spontanhelfer über Facebook, machen auf den Beruf des Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau auf Twitter aufmerksam und informieren die Bevölkerung über etwaige Absperrradien bei der Entschärfung einer Weltkriegsbombe oder warnen vor einem bevorstehenden Unwetter. 

Schön und gut sagt der Pressewart einer Freiwilligen Feuerwehr, das macht uns bekannt, bringt Klicks und zeigt unsere Arbeit, die wir ehrenamtlich oder auch beruflich 365 Tage im Jahr rund um die Uhr leisten.

Aber müssen wir deswegen alles wissen? Müssen wir alles sehen? Was bringt uns der „post“ hochaktuell vom Einsatz, womöglich noch auf der Anfahrt oder an der Einsatzstelle das Bild aus der Brandwohnung mit dem rußverschmierten Rahmen der Kinderfotos auf dem Nachttisch des Schlafzimmers? Darf ich überhaupt alles veröffentlichen oder nur die obere Behörde? Verletze ich das Recht am Bild eines einzelnen oder gar das Urheberrecht?

„Teufelszeug“ höre ich die Altvorderen Kameraden rufen, als es damals um die Notwendigkeit einer Internetpräsenz meiner damaligen Freiwilligen Feuerwehr ging und es viele Übungsabende kostete, das Gegenteil zu beweisen. Und heute? Bin ich selbst einer, der den Fortschritt der Zeit und damit auch den Fortschritt der Medien verteufelt? Nein, ganz sicher nicht. Nur ändert sich mit der Zeit und der Aufenthaltsdauer auf der „Datenautobahn“ auch der Blickwinkel.

Auch andere Behörden kämpfen mit der schnellen Verbreitung von Fotos und Informationen im Rahmen ihrer Aufgaben. Sind doch Informationen über verunglückte oder gar verstorbene Personen schon online, bevor die Polizei die Angehörigen informieren konnten. Und diesmal war es nicht der böse Journalist der das schnelle Geld witterte.

Man kann die Neuen Medien aber auch einsetzen, um einen kritischen Blick auf Berichterstattungen von Einsätzen oder Übungen zu werfen und den Gedanken einer neuen Fehlerkultur zu prägen. Nicht mit einem Fingerzeig auf den berichteten misslungenen Einsatz, sondern lernen, wie man es vielleicht nicht machen sollte. Nur müssen dann Kommentare wie, was sind das denn für dumme Typen... können die nix... wer hat die denn zur Feuerwehr gelassen... sein? Nein, viel mehr das gewonnene Wissen auf dem nächsten Übungsdienst sinnvoll einsetzen und aus den Fehlern anderer lernen.

Auch die Feuerwehrunfallkassen haben den Medienhype der Ice Bucket Challenge des letzten Jahres in den sozialen Netzen bzgl. der Unfallverhütungsvorschriften mitbekommen. Über 36 Millionen Euro an Spenden wurden durch die virale Verbreitung der Ice Bucket Challenge für die Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) eingenommen. Aber wo die Sonne scheint, ist auch der Schatten nicht weit und somit war der positive Gedanke dieser Aktion leider auch mit einem Todesfall bei der Landjugend und einigen verletzten Feuerwehrkameraden zu beklagen.

Wie aber nun umgehen mit dem Gewirr aus positiven und negativen Beispielen der Neuen Medien??? Wir sollten die Sozialen Medien sinnvoll für uns nutzen und das Bewusstsein bei den Verantwortlichen in unseren Reihen schärfen, uns vor dem „posten“ oder „tweeten“ Fragen, welche Auswirkungen dieser Post / Tweet haben könnte. Gezielte und gut bedachte Informationen in Maßen nicht in Massen.

 

posten = veröffentlichen eines Beitrages im Internet (Facebook) geliked = in Facebook auf den Gefällt mir Button klicken um seine Zustimmung zu geben tweeten = veröffentlichen eines Beitrages im Internet (Twitter) retweeted = einen Veröffentlichen Artikel mit anderen teilen, in dem man ihn weiterverbreitet.

Bild / Artikel / Text: Jens Krause (stellv. Amtsleiter für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst Schwerin)